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Sonntag, 25. März 2012

Kinderlebensmittel: Kalorienbomben und Fettfallen

Die meisten Kinderlebensmittel sind zu süß und zu fettig, das hat jetzt  eine Studie der Verbraucherorganisation foodwatch ergeben. Immer mehr Kinder sind deshalb zu dick, meinen die Forscher. Der Vorwurf: Die Lebensmittelindustrie verführe Kinder mit raffinierten Werbe-Tricks zum Konsum regelrechter Kalorienbomben.

Packung auf, Cerealien in die Schüssel, Milch dazu -  fertig ist das gesunde Frühstück für Kinder, denken viele: Frühstücksflocken enthalten gesunde Cerealien, Vitamine, Ballaststoffe und Spurenelemente - wenn es nach der Werbung geht. Außerdem machen sie auch noch Spaß: Viele enthalten Beigaben wie Comic-Helden, Sportidole, Online-Spiele oder Preisausschreiben – und sprechen damit gezielt Kinder an. Eine runde Sache also?

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die meisten der vom Nachwuchs häufig verputzten Lebensmittel fallen bei den Ernährungsexperten durch. Das betrifft nicht nur die so genannten Frühstücks-Cerealien, sondern auch die meisten anderen Kinderlebensmittel. Der Grund: Zu viel Zucker und Fett und ernährungsphysiologisch minderwertig, so die Ergebnisse einer Studie der Verbraucherschutzorganisation foodwatch.

Ausgewogene Ernährung Fehlanzeige

Rund 1500 Kinderlebensmittel  hat  foodwatch unter die Lupe genommen. Das Ergebnis:  Die meisten, nämlich rund drei Viertel davon, seien süße und fettige Snacks. Damit ist es der Studie zufolge fast unmöglich, aus dem Angebot, das die Industrie als Kinderprodukte vermarktet, eine ausgewogene Ernährung zusammenzustellen.

Auch Lebensmittel, die prinzipiell ausgewogen sind, stellten sich als wahre Zuckerfallen und Kalorienbomben heraus. Dabei spielte es offenbar keine Rolle, ob sie die Bezeichnung „Bio“ tragen  oder konventionell hergestellt sind: Auch die meisten als Bio-Produkte extra für Kinder angepriesenen Lebensmittel schnitten schlecht ab.

Das erschreckende Fazit des foodwatch-Marktchecks: Was sich auf dem Markt als spezielle Kinderlebensmittel präsentiert, entspricht genau dem Gegenteil dessen, was Ernährungsexperten als kindgerechte und ausgewogene Ernährung empfehlen.

Kinder werden zum Quengeln überredet

Lebensmittelhersteller wollen Kinder regelrecht zum Verputzen dickmachender Snacks und Softdrinks verführen, so lautet der Vorwurf der Wissenschaftler. Und Eltern würden bewusst getäuscht. Denn viele kaufen bestimmte Lebensmittel ja gerade deshalb, weil sie glauben, diese seien etwa wegen ihres hohen Vitamingehalts besonders geeignet für die Ernährung ihrer Kinder.

Doch der Markt der Extrawurst für Kinder scheint zu lohnen: Denn mit extra für Kinder angepriesenen Produkten lassen sich Kinder früh an Marken binden und Geschmacksprägungen schon in jungen Jahren erreichen. Mit Obst, Nudeln oder Säften lässt sich dagegen kaum Gewinn machen. Doch genau das sind Lebensmittel, die Experten den Kleinen für den reichlichen Konsum empfehlen. Stattdessen stehen zumeist Dickmacker wie Snacks, Süßwaren und Soft Drinks auf dem Speiseplan: Von ihnen verputzt der Nachwuchs laut der Studie rund das Doppelte der empfohlenen Menge. Von den reichlich zum Verzehr empfohlenen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse dagegen essen Kinder nur die Hälfte.

Aggressives Marketing

Gehen die Bemühungen der Eltern, Pädagogen und Ernährungsexperten um eine gesunde, ausgewogene Ernährung der Kinder damit ins Leere? „Gegen das bereits im Kleinkindalter einsetzende aggressive Marketing, hochbezahlte Werbeprofis und das Überangebot ungesunder Produkte kommen Eltern und Schulen kaum an“, heißt es im Kinderlebensmittel-Report 2012 von foodwatch.

Doch auch der Staat habe versagt, so die Verbraucherschützer: Anstelle klarer Gesetze und Vorgaben für die Lebensmittelindustrie binde die Bundesregierung die Junkfood-Hersteller sogar noch in die Initiativen gegen ungesunde Ernährungsweise mit ein. Foodwatch fordert ein Werbeverbot für solche Kinderprodukte.

Drei von vier Kinderlebensmittel sind ungesund

Die untersuchten Lebensmittel für Kinder wurden anhand der Ernährungspyramide des vom Bundesverbraucherministerium geförderten Vereins „aid infodienst Ernährungsdienst, Landwirtschaft, Verbraucherschutz“ bewertet: Danach werden die Produkte in die drei Kategorien rot, gelb und grün einsortiert: Die rote Kennzeichnung tragen Lebensmittel, die von Kindern nur sparsam verzehrt werden sollen. Unter die gelbe Kategorie fallen Produkte, die Kinder nur „mäßig“ essen sollen. Und alle Lebensmittel mit der grünen Kennzeichnung dürfen von Kindern laut der aid-Empfehlung „reichlich“ genossen werden.

Beim Marktcheck der foodwatch-Studie fielen 1.109 und damit rund drei Viertel der untersuchten Kinderprodukte durch – von ihnen sollen Kinder täglich nicht mehr als eine Handvoll essen.

Kategorie: Gesundheit, Eltern, Kids

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