Beliebte Posts

Sonntag, 11. März 2012

Bewegte Zeiten

Samstag, 11. Februar 2012 | Von: Inge Schwohn Alt-Bürgermeister Helmut Ohlsen und Eyke Jahn gehören dem MTV seit weit über einem halben Jahrhundert an. Alt-Bürgermeister Helmut Ohlsen und Eyke Jahn gehören dem MTV seit weit über einem halben Jahrhundert an.

Deutsches Turnfest in Essen 1963: (vordere Reihe v.li.) Edith Stührk, Günter Hilke, die Supersportler Adolf Krambeer und Walter Smolka sowie Helmut Martens Foto/Repro: Schwohn Deutsches Turnfest in Essen 1963: (vordere Reihe v.li.) Edith Stührk, Günter Hilke, die Supersportler Adolf Krambeer und Walter Smolka sowie Helmut Martens Foto/Repro: Schwohn

Burg - 1887 wurde der Burger "Turn- und Sportverein” gegründet. Erst 45 Jahre später erhielt er seinen endgültigen Namen Männerturnverein (MTV), obwohl damals schon Damen zu den Mitgliedern zählten.

Zu den Gründungsvätern des Vereins gehörten laut Chronist Hinrich Rühmann (1896-1979), der dem Verein von 1927 bis 1933 und von 1950 bis 1968 vorsaß, Hinrich Hadenfeld, Nikolaus Heuer, Wilhelm Hansen und Karl Danz. Der erste Vereinsvorsitzende war der Lehrer F. Blunck. Turnhallen gab es damals in Burg noch nicht. Die Männer übten ihren Sport im Saal des Gasthofes "Zur Fernsicht” aus und zwar von Anfang an erfolgreich. Schon ein Jahr nach seiner Gründung lud der Verein die Dithmarscher Turner zum ersten Burger Gauturnfest ein.

Nachdem der Verein während des Ersten Weltkrieges geruht hatte, "waren es die Berufsschüler Knafla, Seestädt und Wittorf, die mich baten, das Turnen wieder aufzunehmen”, schrieb Rühmann. Es wurde nicht mehr nur geturnt: Verschiedene Ballsportarten kamen dazu und die sportlichen Aktivitäten wurden auf mehrere Säle verteilt. Wie engagiert Sportler damals waren, belegt ein Protokolleintrag von 1926: "Die Burger Schlagballer schlugen die Konkurrenz aus Meldorf erfolgreich aus dem Feld.” Eigentlich kein Wunder, denn die Meldorfer hatten die Anreise zu Fuß unternommen und waren sicherlich von dem dreistündigen Fußmarsch stark gehandicapt.

Das erfolgreiche Auftreten der Burger Sportler bescherte dem Verein großen Auftrieb und veranlasste den Vorstand, auch Frauen- und Mädchenturnen anzubieten. Ein modern gesinntes Fräulein Zobel übernahm die Frauen- und Mädchenabteilungen und führte Gymnastik und Bewegungsschulung unter Musikbegleitung ein. "Unsere Schauturnfeste im Holsteinischen Haus konnten die Gäste kaum fassen”, schrieb Chronist Rühmann. Das 1890 für Jungen gegründete "Trommler- und Pfeifer Corps” wurde als Spielmannszug reaktiviert, der Verein organisierte für seine Aktiven Wanderungen und Feste und nahm Handball in sein Angebot auf.

1933 begannen schwere Zeiten für den MTV. Drogist Karl Kruse führte den "entmündigten Verein”, wie es in der Chronik heißt, unter schwersten Bedingungen durch die folgenden Jahre. 1939 kaufte die Gemeinde den Saal von "Schütt’s Gasthof” und richtete ihn als Turnhalle her. 1950 erwachte der MTV unter Mithilfe von Lehrerschaft und Eltern rasant zu neuem Leben. Einen gewichtigen Anteil daran hatte der 1920 in Breslau geborene Walter Smolka, der 1945 nach Burg kam, zunächst beim FC, dann in den MTV einstieg und ihn viele Jahre nicht nur als exzellenter Turner verstärkte, sondern ihn auch als engagierter Übungsleiter, Kampfrichter, Oberturnwart, Sportabzeichenprüfer und Leiter von Turnfahrten voran brachte. Ein weiterer überaus aktiver Sportler und Ehrenamtler war Adolf Krambeer, der 35 Jahre im Vorstand mitarbeitete, von 1976 bis 1985 als erster Vorsitzender.

1962, im 75. Jubiläumsjahr, hat der Verein rund 250 Mitglieder, darunter fünf Kinder-, zwei Jugend-, und je eine Männer- und Hausfrauenabteilung, die Faustball, Handball und Tischtennis spielen, Leichtathletik betreiben und Schwimmen. 1966 bietet der Verein bereits 17 Sparten an, später wird Basketball wieder aufgenommen und Judo eingeführt.

Eyke Jahn, geborene Peters (70) stärkte den Verein seit der Neugründung jahrzehntelang als Sportlerin und Ehrenamtlerin. Sie heimste zahlreiche Erfolge am Barren, Schwebebalken, Stufenbarren und Reck ein und war Mitglied der Tanzgruppe. Gern erinnert sich die Burgerin an die großen MTV-Zeiten, als der Verein erfolgreich Mannschaften zu Turnfesten in ganz Deutschland entsandte.

Besonders das Jahr 1958 ist ihr in bester Erinnerung: Damals erkämpfte sich die Burger Gruppe beim Deutschen Turnfest in München unter 40 000 Teilnehmern aus 150 Vereinen nicht nur den 26. Platz auf Bundesebene, sie wurden mit ihrer Leistung die zweitbeste Mannschaft in ganz Schleswig-Holstein. "Die Fahrten waren immer sehr schön, wir waren eine tolle Clique und hatten viel Spaß, aber die Fahrt nach München, die wir mit Hinrich Rühmann, seiner Frau Wilma und seinen beiden Töchtern machten, war sagenhaft”, erinnert sich Eyke Jahn lachend. "Wir wohnten in Schliersee, zwanzig Mädchen in einem Zimmer, in dem nur ein Hochbett stand, sonst nichts. Es war ein sehr breites Bett, das von einer Wand zur anderen reichte. Wir lagen quer darin, dicht an dicht aneinander gereiht. Zehn oben und zehn unten.”

Dass die Mädels damals morgens zum Waschen nach draußen an die Pumpe gemusst hätten, könne sich heute niemand mehr vorstellen. "Aber Urlaub konnte sich damals kaum jemand erlauben und uns haben diese Fahrten unheimlich viel Spaß gemacht. Auch die Zeltlager in List auf Sylt mit Edit und Rudolf Günzl waren einfach großartig”

Mit dem Sport auf den Sälen war es vorbei, als in Burg neue Sportstätten entstanden: 1964 wurde die heute (kleine genannte) Turnhalle gebaut, 1978 die Großsporthalle und 1980 das Sportstadion. Nach Adolf Krambeer übernahm Werner Gaster 1985 den MTV, der zwei Jahre später sein 100. Gründungsjubiläum mit 536 Mitgliedern feiern konnte. Im Jahr 2006 überschritt der Verein die Tausender-Marke, Werner Gaster legte sein Amt nach 21 Jahren nieder und übergab den Stab an Kirsten Grimm, die bis heute den Vorsitz führt.


View the original article here

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen